Ersten Mission

Ersten Mission

AustroMars

AustroMars

Das österreichische Weltraum Forum hat im Jahre 2006 eine Gruppe von Analog-Astronauten in die amerikanische Moab-Wüste geschickt, um dort verschiedenste Merkmale einer Marsexpedition zu simulieren. Begonnen wurde die Arbeit bereits 2004. Da die Größe des Projekts die eigenen finanziellen Mittel des österreichischen Weltraum Forums überstieg, wurden Sponsoren und Institute auf das Vorhaben aufmerksam gemacht. Schlussendlich arbeiteten 145 Mitarbeiter und 20 Forschungseinrichtungen über zwei Jahre lang an der erfolgreichen Durchführung der Austromars-Mission. Innerhalb der drei Wochen andauernden Simulation wurden 20 große Experimente und mehrere kleine Nebenexperimente durchgeführt, die wissenschaftliche und technologische Themen von der Geologie des Mars über die Robotik bis zur Frage behandelten, wie man eine solche Umgebung für Menschen bewohnbar macht. Dabei spielt das von der US-amerikanischen Mars Society, einer gemeinnützigen Organisation von Befürwortern für Mars-Missionen, bereitgestellte Habitat eine große Rolle. Das als “Mars Desert Research Station” (MDRS) bezeichnete Gebäude steht im südlichen Utah in der Moab-Wüste und soll die Bedingungen einer Marsexpedition so genau wie möglich kopieren. Die Station hat einen Durchmesser von acht Metern und verfügt über zwei Ebenen. Während der Austromars-Mission war das MDRS der Ausgangspunkt jeder Außenmission, bot den Analog-Astronauten eine Unterkunft und beherbergte die Ausrüstung für die wissenschaftlichen Experimente sowie ein Gewächshaus, um die mögliche Züchtung terranischer Pflanzen in einer simulierten Atmosphäre zu untersuchen. Auch die auf Forschungsexkursionen benutzten Raumanzüge, die EVA-Suits, simulierten relativ genau mit welchen Begebenheiten Astronauten auf dem Mars zu kämpfen hätten, wie schlecht sich wegen der verwendeten Materialien viele Werkzeuge bedienen lassen oder wie begrenzt die Sicht wegen der großen Helme und der entsprechend kleinen Visiere ist.

Hebes Chasma

Hebes Chasma

Die Analog-Astronauten wurden trotz der geringen Entfernung zur Bodencrew strikt isoliert, die Kommunikation fand nur über einen fiktiven Satelliten statt, der, um die großen Entfernungen zu simulieren, jeglichen Signalen eine 10-minütige Verzögerung hinzufügt und diese in der Bandbreite stark begrenzt. Als fiktionales Szenario wurde die Landung und der Aufbau eines funktionierenden Habitats in der Schlucht Hebes Chasma gewählt. Hebes Chasma ist eine längliche Schlucht auf dem Mars, dessen Koordinaten bei 1,5° Süd und 76,5° West liegen. Sie gehört zum großen Valles-Marineres-System und bietet große Plateaus aus freiliegenden Sedimentstrukturen. Da sich die Schlucht über eine Höhe von fünf Kilometern erstreckt, kann davon ausgegangen werden, dass wissenschaftliche Teams hier Gesteinsstrukturen sowohl aus der älteren Marsperiode, dem Hesperian, als auch aus dem Amazonian untersuchen können, das heute die Oberfläche bildet. Die während der Austromars-Mission durchgeführten Experimente lieferten fundamentale Daten, die bei einer echten Mars-Mission von großem Nutzen sein könnten.

Die Auswertung aller gesammelten Erkenntnisse wird laut Schätzungen der Wissenschaftler mindestens noch mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre in Anspruch nehmen. Eines der behandelten Hauptthemen war beispielsweise die Ausschließung einer Kontamination von gesammeltem Gestein oder mikrobiologischen Proben durch die wissenschaftliche Crew, das Habitat selbst und, nach erfolgreicher Extraktion, die Biosphäre der Erde. Außerdem wurde untersucht, wie die medizinische Versorgung von Menschen auf dem Mars aussehen könnte, auf welche Schwierigkeiten man stößt und wie der Körper auf die geringere Schwerkraft reagiert. Dabei wurde unter anderem überprüft ob es möglich ist, Medikamente direkt über den EVA-Suit in Form von inhalierbaren Aerosolen zu verabreichen, wie man in der sterilen Atmosphäre des Habitats Wunden verschließt oder kleinere Operationen durchführen kann und wie der Transport von verletzten Menschen innerhalb der Marsatmosphäre aussehen könnte. Im Rahmen der medizinischen Untersuchungen, die sowohl von der Crew als auch vom Bodenpersonal durchgeführt wurden, musste immer wieder auch der psychische Zustand der Analog-Astronauten überprüft werden. Wie sieht die Gruppendynamik aus? Gibt es Anzeichen von Stress oder Depressionen? Was könnte ein guter Schlafrythmus für eine echte Marsexpedition sein? Davon ausgehend, dass die Kapazitäten der Crew bei einer solchen stark begrenzt sind, ist eine Arbeitszeit von mehr als 12 Stunden fast unumgänglich, der Mensch ist aber trotz ausreichendem Training nicht für langanhaltende, konzentrierte Arbeit geschaffen. Viele der behandelten Themen wurden bereits auf anderen Weltraummissionen untersucht, jedoch nicht optimal auf das Marshabitat und dessen Begebenheiten zugeschnitten. Diese Details könnten bei einer echten Marsexpedition jedoch wichtig sein, deswegen beschreiben die Forscher in diesem Bericht ausführlich die durchgeführten Experimente und geben eine vorsichtige Empfehlung ab, wo im Falle einer Marsexpedition noch Optimierungsbedarf herrscht.

 

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