Frauen in der Astronomie
8. März 2009
Aus Anlass des Internationalen Weltfrauentags, der weltweit am 8. März begangen wird, hab ich mich
auf die Suche nach den Frauen in der Astronomie gemacht. Wenn man an große Astronomen in der
Geschichte denkt, fallen einem Namen wie Galileo Galilei, Johannes Kepler, William Herschel, Edwin
Hubble, Stephen Hawking u.v.m ein. Kaum jemand weiß, dass z.B. William Herschels Schwester
Caroline Herschel auch Astronomin war, die gemeinsam mit Ihrem Bruder forschte. Wer würde den
Begriff „Harvard Girls“ mit Stellarastronominnen rund um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts
in Verbindung bringen?
Daher ist dieser Artikel einigen großen historischen Frauen gewidmet, die ihrem Leben und ihre
Leidenschaft der Astronomie gewidmet haben.
Hypatia von Alexandria (370 – 415)
| war Mathematikerin, Astronomin, Mechanikerin und Philosophin. Ihr Ansehen muss gewaltig und legendär gewesen sein, dass sie, trotzdem sie eine Frau war, den Lehrstuhl für platonische Philosophie bekommen hat. Von ihr ist leider nur wenig überliefert, sie soll aber in ihren Vorlesungen durch anschaulichexperimentelle Vorträge beeindruckt haben, sodass viele Hörer von weither kamen um von ihr unterrichtet zu werden. Der Kirchenhistoriker Sokrates Scholastikos schrieb über sie: „Es gab in Alexandria eine Frau mit Namen Hypatia, Tochter des Philosophen Theon, die in Literatur und Wissenschaft so erfolgreich war, dass sie alle Philosophen ihrer Zeit übertraf. (…) Sie scheute sich auch nicht, in öffentliche Versammlungen von Männern zu gehen. Alle Männer bewunderten sie dafür auf Grund ihrer außerordentlichen Würde und Tugend um so mehr“. Manche Autoren schreiben ihr die Erfindung des Astrolabiums zu. In Erinnerung ist sie hauptsächlich durch ihre grausame Ermordung von fanatisierten Christen geblieben. | ![]() Hypatia von Alexandria |
Caroline Herschel (1750 – 1848)
![]() Caroline Herschel (Hannover, D) |
lernte mit ihren Brüdern Lesen & Schreiben, was zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit war. Zudem wurde die gesamte Familie musikalisch ausgebildet, der Vater war Militärmusiker, und Caroline wurde Konzertsängerin. Viele Stunden musste sie mit Haushaltstätigkeiten verbringen, was Caroline aber zuwider war. Als ihr Bruder William eine Stelle als Organist & Konzertleiter in England bekam, ging Caroline als Haushälterin & Sängerin mit. Caroline teilte die Leidenschaft für Astronomie mit ihrem Bruder und half ihm beim Anfertigen von Spiegelteleskopen und erlernte Algebra-Formeln für das Beobachten und Durchmustern des Himmels. Mit der Entdeckung von Uranus durch William konnte dieser sich ganz der Astronomie widmen. Für Caroline boten sich nun zwei Möglichkeiten, als erfolgreiche Sängerin weiterzuarbeiten oder als wissenschaftliche Assistentin ihres Bruders zu „dienen“. Sie wählte letzteres und blieb in England, forschte mit Ihrem Bruder, entdeckte mehrere Kometen und 14 Nebel. Nächtelang beobachtete sie mit ihrem Bruder, notierte die Sternpositionen die er ihr ansagte, rechnete die Aufzeichnung nach, berechnete hunderte Nebel und publizierte auch in der damaligen astronomischen Fachwelt. Ohne Caroline hätte William nie die Flut seiner Entdeckungen niederschreiben können, sie blieb aber stets bescheiden und verwies auf die Leistungen ihres Bruders. Nach dem Tod von William arbeitete Caroline an dem Zonenkatalog – als Andenken ihres Bruders – dieser enthielt sämtliche von ihm entdeckten Nebel und Sternhaufen. Noch mit 88 Jahren wurde sie in die königliche Irische Akademie der Wissenschaften in Dublin als Mitglied aufgenommen. |
Maria Mitchell (1818 – 1889)
| wurde von ihrem Vater gefördert und unterrichtet, der Lehrer und Astronom war. Dies war im 19. Jhd. immer noch eine Ausnahme, da Frauen damals nur in Hauswirtschaft und Künsten ausgebildet wurden. Maria Mitchell war nicht nur leidenschaftliche Astronomin, sondern auch eine der ersten Frauenrechtlerinnen. Sie setzte sich vehement für mehr Frauen in den Naturwissenschaften ein. Sie selbst wurde als 1. Frau in die American Academy of Arts and Scienes und als 1. Frau in die American Association for the Advancement of Sciences aufgenommen. Außerdem wurde sie als 1. Frau Professorin für Astronomie am renommierten Vassar College und gründete die American Association for the Advancement of Women (AAW). So schlecht die Ausbildung von Frauen der damaligen Zeit auch war, "die feinen Nadelarbeiten und Stickereien lehrten sie, kleine Abstände genau zu messen. Dasselbe Feingefühl von Auge und Griff wird verlangt für das Anvisieren eines Sterns mit dem Fadenkreuz oder Mousseline mit einer feinen Nadel zu bearbeiten", behauptet Maria Mitchell. Oft erwiderte sie ihren männlichen Kollegen folgendes: „Haben sie das von einem Buch gelernt oder selbst beobachtet“ und kritisierte die Mittelmäßigkeit ihrer Kollegen. Maria unterstütze ihre Studentinnen und legte großen Wert auf praktische Erfahrung. Sie war der Meinung, dass die Wissenschaft dringend Fähigkeiten und Wissen der Frauen bedürfe: „We especially need imagination in science. It is not all mathematics, nor all logic, but somewhat beauty and poetry.” | ![]() Maria Mitchell (Massachusetts, USA) |
Harvard Girls
Williamina Fleming (1857 – 1911)
![]() Williamina Fleming (Schottland) |
Die „Harvard Girls“ waren um die Jahrhundertwende des 19. Jhd. aktiv. Der Harward Astronom Edward Charles Pickering war bekannt dafür, dass er viele Frauen beschäftigte. Darunter auch Williamina Fleming, die eigentlich sein Dienstmädchen war. Pickering war aber unzufrieden mit seinem Assistenten an der Sternwarte, dass er kurzerhand Williamina die Büroarbeiten der Sternwarte übertrug. Allerdings blieb es nicht nur bei Büroarbeiten, Williamina beschäftigte sich bald auch mit astronomischen Aufgaben und entwickelte ein System zur Klassifizierung von Sternen, basierend darauf wie viel Wasserstoff sich im Spektrum des Sterns befand. |
Annie Jump Cannon (1863 – 1940)
| studierte am Wesley College Physik und Astronomie, obwohl sie während ihrer Jugendzeit gehörlos wurde. Annie arbeitete ebenfalls im Umfeld von Edward Pickering und entwickelte das System zur Klassifizierung der Sterne weiter. Neben Williamina hatte hier auch Antonia Maury Vorarbeit geleistet. Sie ordnete schlussendlich die Spektrallinien der Sterne in die Spektralklassen O, B, A, F, G, K, M und weitere und prägte den Merksatz für die Spektralklassen, der auch heute noch benützt wird „Oh, Be A Fine Girl – Kiss Me!“ (O sind die Hyperriesen, unsere Sonne ist ein G-Stern) Darüber hinaus klassifizierte Annie selbst über 350.000 Sterne, teilweise schaffte sie bis zu 300 Sterne pro Stunde. Nach ihr ist der „Annie-Jump-Cannon-Preis“ für Astronomie benannt, dieser wird ausschließlich an Astronominnen vergeben. | ![]() Annie Jump Cannon (Delaware, USA) |
Henrietta Swan Leavitt (1868 – 1921)
![]() Henrietta Swan Leavitt (USA) |
Ein weiteres „Harvard-Girl“ war Henrietta Swan Leavitt (1868 – 1921). Sie widmete sich der Stellarastronomie und machte es sich zur Aufgabe, veränderliche Sterne zu katalogisieren. Ihr Hauptbeobachtungsgebiet war die Magellansche Wolke. Allein im Jahr 1904 konnte sie hier 174 variable Sterne in der großen und 54 in der kleinen Magellanschen Wolke entdeckten. Henrietta gelang es, einen Zusammenhang zwischen der Periode, mit der veränderliche Sterne ihre Helligkeit ändern und der Entfernung herzustellen. Diese Beziehung ist auch als „Perioden- Leuchtkraft-Beziehung“ bekannt. Diese Entdeckung führte dazu, dass zunächst die Entfernung von Cepheiden (veränderlichen Sterne) in der Milchstraße kalibriert werden konnte und später, 1920, die Entfernung zu Cepheiden in einer anderen Galaxie wie z.B. der Andromeda Galaxie – Edwin Hubble entdeckte erstmals Cepheiden in der Andromeda Galaxie – bestimmt werden konnte. Dadurch wurde es erstmals möglich, die Entfernung zwischen Galaxien festzustellen. |
Bekannte, heutige Astronominnen sind z.B. Jane Luu, die 1991 den Annie-Jump-Cannon Preis erhielt und Mitentdeckerin des ersten Kuiperbelt Objektes „1992 QB1“ ist. Bis heute hat sie insgesamt 20 Kuiperbelt Objekte mitentdeckt.
Oder Jill Tarter, Direktorin des SETI (Search of Extra Terrestial Intelligence) Institutes, deren astronomisches Schaffen im Buch von Carl Sagan „Contact“ illustriert ist. Sie erhielt 2009 den TED Prize und wurde vom Time Magazine als eine der 100 Meist einflussreichsten Personen der Welt genannt.
Ein Wort zum Abschluss: von 519 Nobelpreisträgern in Naturwissenschaften (Physik, Chemie und Physiologie & Medizin) gibt es nur 11 Frauen! Packen wir es an, dass die Anzahl der Frauen in den nächsten 100 Jahren steigt und zumindest die Hälfte aller Nobelpreisträger Frauen sind.
Präsentation zum Artikel
Jill Tarters Ted Rede
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Veranstaltungen
Integrationsworkshop zur Vorbereitung des Dachstein Feldtestes im Suitlab Laboratory Innsbruck
Gernot Grömer im Planetaium Stuttgart - Multimediavortrag mit Gernot Grömer rund um die Forschungsaktivitäten des ÖWF.
Wann: 15. März 2012
Wo: Planetarium Stuttgart
Von 15 bis 17 Uhr heißt es für Kinder wieder, das Weltall mit selbst gebauten Raketen zu erkunden.
Wie jedes Jahr feiern wir am 12. April den Erstflug von Yuri Gagarin. 2012 wird die Yuris Night im Naturhistorischen Museum in Wien stattfinden. Auch der Polarsternpreis 2012 wird im Rahmen der Veranstaltung verliehen.
Wann: 12. April 2012, 18 Uhr
Wo: Naturhistorisches Museum Wien
Die Europäische Weltraumorganisation ESA sucht und finanziert TeilnehmerInnen für das European Space Camp 2012.
Das European Space Camp auf der nordnorwegischen Raketenbasis Andoya lädt Jugendliche im Alter zwischen 17 und 20 Jahren vom 24. Juni bis 2. Juli 2012 zur Teilnahme am Raketenstarten im Rahmen des European Space Camp 2012 ein.
Die Bewerbungsfrist läuft bis 1. April 2012.
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