Über Krasnodar sehen wir uns wieder

Seine militärische Pilotenausbildung absolvierte er an Bord einer MIG-15: Juri Alexejewitsch Gagarin. Juri Alexejewitsch war dem Vernehmen nach ein ruhiger, besonnener Mann. Er wuchs in ländlicher Umgebung im Dorf Kluschino auf.

April 1961. Der Flug an Bord von Wostok-1 markiert einen der raren positiven Meilensteine der Geschichte, einen solchen, der einen neue Ära einleitet. Dieser Meilenstein jedoch war nur für Männer von kleiner Statur geeignet, denn Platz war Luxus an Bord des ersten bemannten Raumschiffes der Welt. German Titov aus Werchneje Schilino und Juri Alexejewitsch waren die Kandidaten, die es bis zum ruhmreichen Ende geschafft hatten – die Entscheidung zugunsten Juris kam dann von ganz oben. German wurde, immerhin, Held der Sowjetunion und zweiter Mensch im All.
Um kurz nach neun Uhr morgens Moskauer Zeit am 12. April hob Juri Alexejewitsch zu seinem Karriere-Zenit ab, den er wohl am erdfernsten Punkt seines einmaligen Umlaufs, 315 Kilometer von der Erdoberfläche entfernt, erreichte. Über der Halbinsel Kamtschatka sagt er der Erde, er fühle sich gut. Über dem Südpazifik gibt er Telemetrie-Daten durch. Über Afrika werden die Bremsraketen gezündet, sein Wiedereintritts-Korridor verläuft über uraltes Kulturgebiet der Menschheit, den Mittelmeerraum, Zypern, die Türkei. Bei Karsnodar hat ihn die Sowjetunion wieder, 8g drücken ihn in seine Sitzschale. Dann ist er draußen – in 7000 Metern Höhe vom Schleudersitz an die frische Luft gesetzt. Rough times for a hero.
Dass Gagarin gesagt haben soll, er sei zwar in den Weltraum geflogen, aber einen Gott habe er dort nirgends gesehen, ist wie so vieles eine nette Legende. Gagarin hat während seinem Raumflug zwar ein Lied von Schostakowitsch gesunden (das damit die erste klassische Musik wurde, die jenseits der irdischen Lufthülle ertönte!), aber Gottesbeweise zu suchen gehörte nicht zu seinem Arbeitsprogramm. Der berühmte Satz wurde viel eher von Nikita Chruschtschow im Rahmen der üblichen anti-religiösen Propaganda der UdSSR geprägt, allerdings tatsächlich im Zusammenhang mit dem ersten Flug eines Menschen ins All.
Helden sterben früh. Gagarin war vom Tod gleich zweimal auserkoren, aber das erste Mal sollte er ihm noch von der Schippe springen - ein Detail der Raumfahrtgeschichte, das viele nicht kennen: Gagarin war als Ersatzmann für den Flug von Sojus-1 vorgesehen. Sojus, das neue Raumtransportsystem der Sowjetunion, sollte im wortwörtlichen Sinn die sowjetische Wendigkeit im All verbessern und technisch zu den amerikanischen Gemini-Kapseln aufschließen. Der Erstflug wurde schließlich nicht vom Ersatzmann Gagarin, sondern planmäßig vom ersten Piloten Wladimir Komarov durchgeführt – und endete in einer Katastrophe. Sojus-1 schlug am 24. April 1967, kurz nach drei Uhr morgens (Weltzeit) ungebremst auf der Erdoberfläche auf. Komarov, der sich Minuten vor dem Aufprall seiner ausweglosen Situation wahrscheinlich bewusst gewesen war, Held der Sowjetunion, hatte keine Chance. Gagarin aber, Held der Sowjetunion auch er, überlebte seinen Freund nur um elf Monate. Am 27. März 1968 stürzte er an Bord einer MIG-15 auf einem Routineflug ab.
Linktipp
Veranstaltungen
Integrationsworkshop zur Vorbereitung des Dachstein Feldtestes im Suitlab Laboratory Innsbruck
Gernot Grömer im Planetaium Stuttgart - Multimediavortrag mit Gernot Grömer rund um die Forschungsaktivitäten des ÖWF.
Wann: 15. März 2012
Wo: Planetarium Stuttgart
Von 15 bis 17 Uhr heißt es für Kinder wieder, das Weltall mit selbst gebauten Raketen zu erkunden.
Wie jedes Jahr feiern wir am 12. April den Erstflug von Yuri Gagarin. 2012 wird die Yuris Night im Naturhistorischen Museum in Wien stattfinden. Auch der Polarsternpreis 2012 wird im Rahmen der Veranstaltung verliehen.
Wann: 12. April 2012, 18 Uhr
Wo: Naturhistorisches Museum Wien
Die Europäische Weltraumorganisation ESA sucht und finanziert TeilnehmerInnen für das European Space Camp 2012.
Das European Space Camp auf der nordnorwegischen Raketenbasis Andoya lädt Jugendliche im Alter zwischen 17 und 20 Jahren vom 24. Juni bis 2. Juli 2012 zur Teilnahme am Raketenstarten im Rahmen des European Space Camp 2012 ein.
Die Bewerbungsfrist läuft bis 1. April 2012.
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