17. Jänner 2006
Langsam geht das Projekt in die heiße Phase. Die meisten Einheiten haben einen Arbeitsplan erstellt, die Technikergruppe für die MedMars Telemetrie-Einheit ist fast komplett und beginnt mit dem Design der Hardware. Herzlicher Dank geht an A. Schinner für die Koordination! Auch das Konzept für die psychologische Teamanpassung unter Florian Juen (Uni Innsbruck) steht. Das Institut für Limnologie der Uni Innsbruck stellt eine Forschungsstation auf 2.400 Metern für das Bergtraining der Crew zur Verfügung, die Crew-Ausbildung zur Orientierung am Nachthimmel findet im Zeiss-Planetarium Schwaz statt. Besonderes Augenmerk möchte ich diesmal aber auf die Arbeit des Teams PhysioMars lenken.
Weltall, Planeten und Physiotherapie haben nun wirklich gar nichts miteinander zu tun, so dachte Sandra Lengauer, Leiterin von PhysioMars, noch vor einigen Monaten. Dann lernte sie Gernot Grömer kennen, der bereits an einer Mars-Analogmission in der Wüste von Utah teilgenommen hat.
Die Teilnehmer tragen bei solchen Projekten 20 kg schweren Anzüge, haben ein volles Tagesprogramm und sind erheblichen Belastungen ausgesetzt, die an Schwerarbeit grenzen. Proben sammeln, Klettern und Bergsteigen inklusive. Und Verspannungen, Gelenks- und Rückenbeschwerden am Ende eines Tages ebenfalls. Weil es sich aber bei Astronauten um wahre Experten im Probleme-Lösen handelt, wurde mittels Massage versucht, den Beschwerden entgegen zu wirken – mit Erfolg, wie sich herausstellte! Wie kann man zukünftig körperliches Wohlbefinden sicherstellen, ohne dabei nur auf laienhafte Massage angewiesen zu sein?
An diesem Punkt kommt die Physiotherapie ins Spiel, die Astronauten Möglichkeiten bieten soll, ihre körperliche und psychische Leistungsfähigkeit zu erhalten beziehungsweise zu verbessern. Sandra Lengauer machte sich im Zuge ihrer Diplomarbeit Gedanken über geeignete Maßnahmen und Therapiemöglichkeiten bei Astronauten.
Beim ersten Crewtraining in Graz verpasste Sandra den Astronauten einen Crashkurs in Sachen „Mars-Massage“. Situationsangepasst machten die Astronauten es sich auf harten Tischen und Isomatten statt auf Massageliegen bequem. Im Weltraum werden keine perfekten Behandlungsbedingungen und massenhaft Platz zur Verfügung stehen. Im Schnelldurchlauf erlernten alle die einzelnen Griffe, lernten soviel Theorie wie nötig und übten kurz. Nach einem ganzen Tag Geologie, Astrophysik und anderen Theoriestunden war das ein entspannender Tagesabschluss. Der Massageteil sollte zusätzlich das gegenseitige Kennenlernen der Crewmitglieder unterstützen.
Im nächsten Block lernen die Astronauten, wie sie verkürzte Muskeln richtig dehnen – das in Hinsicht auf die Belastung bei EVAs (Aktivitäten außerhalb des Habitats). Bei einem nur zweiwöchigen Aufenthalt sind die Belastungen nicht so gravierend, bei einer länger dauernden Mission wäre dieser Aspekt jedoch sehr wichtig. Und möglicherweise wird die erste Mars-Expedition gleich ein ganzes Jahr auf dem Roten Planeten verbringen müssen, ehe sich wieder ein Fenster für den Rückflug öffnet!
Warum ist Stretching so wichtig? Ein Muskel kann nur dann physiologisch und richtig arbeiten, wenn er optimal mit Nährstoffen versorgt ist. Deshalb muss er zuerst entspannt werden (Gefäße, Nerven werden frei und sind nicht mehr komprimiert), dann erst darf man ihn dehnen, wenn die Muskelfasern locker und nicht mehr verklebt sind.)
Wenn genügend Zeit bleibt, sind auch Entspannungstechniken geübt. Grundsätzlich kommt die Entspannung im Leben eines Astronauten völlig zu kurz. Lückenloser Zeitplan von früh bis spät, Lärmpegel rund um die Uhr, EVAs, Platzmangel, höchste Konzentration den ganzen Tag... daher ist es wichtig, den Crewmitgliedern Phasen der Entspannung zuzugestehen, nach denen sie wieder effizienter arbeiten können. Wir dürfen auf die Erfahrungen des AustroMars-Teams gespannt sein!
Veranstaltungen
Integrationsworkshop zur Vorbereitung des Dachstein Feldtestes im Suitlab Laboratory Innsbruck
Gernot Grömer im Planetaium Stuttgart - Multimediavortrag mit Gernot Grömer rund um die Forschungsaktivitäten des ÖWF.
Wann: 15. März 2012
Wo: Planetarium Stuttgart
Von 15 bis 17 Uhr heißt es für Kinder wieder, das Weltall mit selbst gebauten Raketen zu erkunden.
Wie jedes Jahr feiern wir am 12. April den Erstflug von Yuri Gagarin. 2012 wird die Yuris Night im Naturhistorischen Museum in Wien stattfinden. Auch der Polarsternpreis 2012 wird im Rahmen der Veranstaltung verliehen.
Wann: 12. April 2012, 18 Uhr
Wo: Naturhistorisches Museum Wien
Die Europäische Weltraumorganisation ESA sucht und finanziert TeilnehmerInnen für das European Space Camp 2012.
Das European Space Camp auf der nordnorwegischen Raketenbasis Andoya lädt Jugendliche im Alter zwischen 17 und 20 Jahren vom 24. Juni bis 2. Juli 2012 zur Teilnahme am Raketenstarten im Rahmen des European Space Camp 2012 ein.
Die Bewerbungsfrist läuft bis 1. April 2012.
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