Interview mit Dr. Andre Peter, Agentur für Luft- und Raumfahrt
29. Sept. 2009
(P.): Die Agentur ist im Auftrag des BMVITs für die gesamten Raumfahrt- Aktivitäten des Österreichischen Staates zuständig, sie verwaltet die Beteiligungen an internationalen Programmen, wie mit der ESA sowie nationale Projekte innerhalb Österreichs.
(Int.): Was ist Ihr Tätigkeitsbereich in der Agentur?
(P.): In der Agentur bin ich für die Themen Wissenschaft, Trägerraketen sowie Bemannte Raumfahrt, Mikrogravitation und Exploration zuständig, sowohl für die ESA Programme als auch im nationalen Programm ASAP. Neben Tätigkeiten im Büro füllen Dienstreisen z.B. nach Paris und Amsterdam einen wesentlichen Teil meiner Arbeitszeit aus. Der Grund dieser Dienstreisen sind ESA-Tätigkeiten. Bei den Programmen für die ich zuständig bin, nehme ich als Delegierter für Österreich an den sogenannten Programme- Boards der ESA teil, in denen die Aktivitäten beschlossen werden. Für diese werden von jedem Mitgliedsstaat am jeweiligen Programm Delegierte nominiert, die an den Sitzungen –meist sind es 4 bis 5 pro ESA Programm- teilnehmen. Im Büro ist es unter anderem meine Aufgabe, für meine Themen die diversen Aktivitäten und Budgets in den ESA Programmen sowie die Aktivitäten im nationalen Programm zu bearbeiten. Bei Anfragen bzgl. ESA Programme, berate ich die Bewerber über mögliche Aktivitäten und bin dafür zuständig zu entscheiden, ob die Aktivität finanzierbar ist oder nicht. Wenn Firmen Angebote an die ESA stellen, versuchen wir, diese gegenüber der ESA zu unterstützen. Bei den ESA-Programmen an denen Österreich teilnimmt, beteiligt sich Österreich auch am Budget. Aufgrund der ESA Rückfluss- Regeln, die festlegen, dass ein überwiegender Anteil der österreichischen Mitteln in Form von Aufträgen an das Land zurückfließen muss, ist es unsere Aufgabe sicherzustellen , dass genügend interessante Aufträge an österreichische Firmen/ Institute vergeben werden.
(Int.): Was ist für Sie persönlich das Beste an Ihrer Arbeit in der Agentur?
(P.): Der interessanteste Aspekt meiner Arbeit ist für mich sicher die Zusammenarbeit und die Betreuung von Projekten mit den weltweit führenden Raumfahrt- Agenturen wie ESA, NASA, JAXA, CNES. Die wissenschaftlichen und technischen Ergebnisse dieser Projekte sind hervorragend und haben in der Regel einen Referenz- Charakter.
(Int.): Wie lange arbeiten Sie schon für die FFG und warum haben Sie sich für diese Stelle beworben?
(P.): Ich arbeite seit Mai 2005 für die Agentur. Mein Beweggrund für die Bewerbung war, dass die Agentur für Luft- und Raumfahrt die gesamte Verwaltung der österreichischen Raumfahrt innehat, was natürlich äußerst interessant ist. In den 8 Jahren zuvor war ich als Projekt/Produktmanager bei Plansee in Reutte/ Tirol tätig. Die Gesellschaft entwickelte u.a. Brennkammern für die Raumfahrt, z.B. für Satelliten, und fertigte Antriebskomponenten, die für kommerzielle Anwendungen verwendet wurden.
(Int.): Was war bis jetzt für Sie das erfolgreichste bzw. interessanteste Projekt im Bereich Weltraumforschung seit Sie in dieser Abteilung tätig sind?
(P.): Das ist sehr schwierig zu beantworten, da es sehr viele Projekte waren/sind. Die Aktivitäten im Zusammenhang mit dem ESA Science Programme gehören sicher zu den interessantesten.
(P.): Im Bereich Wissenschaft wurden gerade im Mai die ESA Satelliten Herschel- Planck gestartet, für die die österreichische Industrie wesentliche Teile geliefert hat. An Herschel ist die Universität Wien ebenfalls wissenschaftlich beteiligt. Weiters werden die nächsten Satelliten der ESA mit österreichischer Teilnahme entwickelt: Lisa Pathfinder, James Web Space Telescope, Gaia und BepiColombo. In Zusammenarbeit mit der NASA entwickelt das IWF, als größter ausländischer Teilnehmer, Instrumente für die MMS Mission der NASA. Im Bereich Trägerraketen, fertigt Magna laufend Teile für die Ariane Rakete. Auf der Entwicklungs- Seite werden z.B. die Weiterentwicklung von Ariane sowie Technologie- Entwicklung für die nächsten Raketen- Generationen durchgeführt. Im Bereich Mikrogravitation (ESA ELIPS Programme) fertigt z.B. die TU Graz Instrumente für Experimente auf der ISS, Vorbereitungen für Experimente werden von diversen Instituten durchgeführt. Im Bereich Exploration wird die ESA ExoMars Mission vorbereitet, und generische Technologien entwickelt. Im nationalen Programm ASAP entwickelt z.B. das IWF in Zusammenarbeit mit ESA und JAXA Instrumente für BepiColombo, sowie Instrumente für ROSKOSMOS und die Exploration. Experimente für die ISS werden von diversen Instituten vorbereitet. Ebenfall zu nennen ist die Entwicklung von BRITE, dem ersten österreichischen Satelliten.
(Int.): Wie sehen Sie Österreichs Vorankommen in Sachen Weltraumforschung im internationalen Bereich?
(P.): In Europa ist Österreich ein kleiner Player innerhalb der ESA, verglichen mit den größten Teilnehmern wie Frankreich oder Deutschland. Die Beteiligung an den ESA Pflichtprogrammen (z.B. die Wissenschaft) erfolgt auf Basis des BIPs des Landes, der Anteil Österreichs in diesen beträgt 2,2%. Der Anteil an den Wahlprogrammen wird vom Staat definiert, insgesamt beträgt die Beteiligung Österreichs bei der ESA ca. 1%. Österreich kann also schon alleine aufgrund der zur Verfügung stehenden Budgets nicht breite Anwendungsfelder, wie die großen Raumfahrt Staaten, abdecken, hat sich jedoch in bestimmten Nischen gut etabliert. In den Bereichen, an denen Österreichs Unternehmen und Instituten sich beteiligen, sind sie durchaus im Exzellenzbereich. In der Industrie sind RUAG Aerospace Austria, SIEMENS und MAGNA als federführend zu nennen, die international auf höchstem Niveau sind, im Bereich Wissenschaft ist es das IWF Graz, das ebenfalls weltweit einen exzellenten Ruf besitzt. Insgesamt entwickeln sich die Weltraum Aktivitäten Österreichs sowohl in der Industrie als in der Wissenschaft sehr positiv.
Veranstaltungen
Das Österreichische Weltraum Forum lädt zur 7. ordentlichen Generalversammlung am
18. Februar 2012, 17:00 im Suitlab des Österreichischen Weltraum Forums, Technikerstr. 21a, 6020 Innsbruck (ICT Gebäude) Generalversammlung am
ein. Dieses Jahr wird diese Sitzung aufgrund der Projektarbeiten von PolAres im kleinen Rahmen abgehalten, d.h. wir möchten ausdrücklich auf die Möglichkeit einer Teilnahme via Skype bzw auf die Möglichkeit von Stimmvertretungen (in Form einer schriftlichen Stimmübertragung an ein anwesendes stimmberechtigtes Mitglied) hinweisen. Generalversammlung am
Tagesordnung:
- Eröffnung durch den Obmann und Feststellung der Beschlussfähigkeit
- Entgegennahme und Genehmigung des Rechenschaftsberichtes und des Rechnungsabschlusses
- Entlastung des Vorstandes und Neuwahl des Vorstandes sowie der Rechnungsprüfer
- Allfälliges
Integrationsworkshop zur Vorbereitung des Dachstein Feldtestes im Suitlab Laboratory Innsbruck
Der Weltraum ist zu unserem Zukunftsraum geworden. Weltraumtechnologien ermöglichen neue Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit: von der nachhaltigen Landnutzung bis zur intelligenten Verkehrslenkung. Mit dem Satellitennavigationssystem Galileo startet Europa einen neuen Innovationszyklus mit einer Vielzahl potenzieller Anwendungen, die unseren Alltag verändern werden. Österreich partizipiert an diesen Entwicklungen und treibt sie selbst voran, etwa durch seine ersten beiden Satelliten, die demnächst in die Umlaufbahn geschickt werden.
WANN: 22. Februar 2012 18 Uhr
WO: Ovalhalle im MuseumsQuartier, Museumsplatz 1/5, 1070 Wien
Gernot Grömer im Planetaium Stuttgart - Multimediavortrag mit Gernot Grömer rund um die Forschungsaktivitäten des ÖWF.
Wann: 15. März 2012
Wo: Planetarium Stuttgart
Von 15 bis 17 Uhr heißt es für Kinder wieder, das Weltall mit selbst gebauten Raketen zu erkunden.
Wie jedes Jahr feiern wir am 12. April den Erstflug von Yuri Gagarin. 2012 wird die Yuris Night im Naturhistorischen Museum in Wien stattfinden. Auch der Polarsternpreis 2012 wird im Rahmen der Veranstaltung verliehen.
Wann: 12. April 2012, 18 Uhr
Wo: Naturhistorisches Museum Wien
Die Europäische Weltraumorganisation ESA sucht und finanziert TeilnehmerInnen für das European Space Camp 2012.
Das European Space Camp auf der nordnorwegischen Raketenbasis Andoya lädt Jugendliche im Alter zwischen 17 und 20 Jahren vom 24. Juni bis 2. Juli 2012 zur Teilnahme am Raketenstarten im Rahmen des European Space Camp 2012 ein.
Die Bewerbungsfrist läuft bis 1. April 2012.
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