(L.):Es gibt 3 Kernthemen, mit denen sich unsere Firma besonders beschäftigt:
Zum einen das Thema Laserzündung für Raketenmotore, das zusammen mit der Technischen Universität Wien durchgeführt wird. Eine Forschungsgruppe um Prof. Wintner hat sich seit 10 Jahren mit diesem Thema beschäftigt. Mit Orbspace wird seit 2 Jahren versucht, Laserzündsysteme für Raketenmotore anzupassen. Auch die ESA interessiert sich für das Thema und eine Studie zum Projekt „Laserzündung für Raketenmotore“ wurde vor mehr als einem Jahr ausgeschrieben.
Das zweite Thema mit dem sich das Unternehmen Orbspace beschäftigt, sind keramische Schubkammern für Raketenantriebe. Bisher wurden die Schubkammern aus Metall gefertigt, hielten jedoch im Falle großer Hochleistungstriebwerke nicht mehr als 20 Zündungen stand. Intensive Studien in den letzten Jahren haben ergeben, dass es faserverstärkte Keramikverbundwerkstoffe gibt, die eine deutlich größere Langlebigkeit aufweisen. Derzeitige Studien –womit sich unter anderem auch Orbspace beschäftigt- laufen darauf hinaus, die Kosten für derartige Schubkammern zu reduzieren, sowie Langlebigkeit deutlich anzuheben und die Sicherheit signifikant zu erhöhen.
Der dritte Bereich, mit dem wir uns beschäftigen, ist suborbitale bemannte Raumfahrt oder „Personal Space Flight“ um das von Vorurteilen geprägte Wort „Weltraumtourismus“ zu vermeiden. Die größte Hürde dazu sind die hohen Kosten. Mit dem Thema der suborbitalen Raumfahrt beschäftigt sich auch eine EU-Studie FAST20XX (Future High-Altitude High-Speed Transport 20XX, die mit 17 Europäischen Partnern eine breite Bandbreite von Themen abdeckt. Die 2 X stehen dabei für den Zeithorizont von 10 bzw. 50 Jahren). Suborbitalflüge gelten als Grenzbereich zwischen Luft- und Raumfahrt, für den es bis jetzt keinerlei Regelungen gibt. Orbspace wird sich insbesondere mit den 3 folgenden Punkten befassen:
- Sicherheit
- Wie kann man suborbitale Flüge sicher machen?
- Flugmedizin
- Ist es notwendig Passagiere zu selektierten? Zum Vergleich: In der staatlichen Raumfahrt werden die Astronauten monate- und jahrelang trainiert, vorbereitet und befinden sich in ausgezeichnetem gesundheitlichen Zustand.
- Rechtliche Aspekte
- Wo können Suborbitalflüge stattfinden?
- Wer haftet, wenn etwas passiert?
(Int.): Was ist Ihr Aufgabenbereich im Unternehmen?
(L.): Wir sind nur zu dritt in Orbspace. Meine Aufgaben sind die des Geschäftsführers
(Int.): Seit wann arbeiten Sie für Orbspace?
(L.): Seit der Gründung der Firma im Sommer 2006.
(Int.): Wo haben Sie zuvor gearbeitet?
(L.): Nach meinem Maschinenbau-Studium in Wien und der Teilnahme an der International Space University im Jahr 1996 und 1997 war ich ein Jahr bei der Europäischen Weltraumbehörde ESA/ESTEC, danach für 2 Jahre bei der Japanischen Weltraumbehörde JAXA (damals NAL) und in den darauf folgenden 5 Jahre, bis zur Gründung von Orbspace, im Ariane-Direktorat der Französischen Weltraumbehörde CNES.
(Int.): Was macht die Arbeit bei Orbspace so interessant?
(L.): Selbst anzupacken um die Visionen der Raumfahrt doch noch zum Erfolg zu führen, also sie zu einem bedeuten Wirtschaftsfaktor und vor allem für die Allgemeinheit zugänglich zu machen. Warum "doch noch" fragen Sie vielleicht? Weil nach 50 Jahren staatlicher Raumfahrtentwicklung ein Umsatz in der Raumfahrt in Europa von 3 Mrd. Euro (ESA Budget) im Vergleich zum Jahresumsatz etwa von Volkswagen (113 Mrd. Euro) sehr enttäuschend ist.
(Int.): An welchen Weltraumprojekten war die Firma bis jetzt beteiligt?
(L.): Da unsere Firma erst 2006 gegründet wurde, gibt es neben den oben erwähnten Projekten nur die Einladung und Mitarbeit von der Französischen und Deutschen Weltraumagentur zur Mitarbeit am Programm Aldebaran, der Entwicklung von Mikroträgerraketen zu berichten.
(Int.): Was war für Sie das interessanteste bzw. erfolgreichste Projekt, an dem Orbspace seit Ihrer Anstellung teilgenommen hat?
(L.): Ein großer Erfolg war die EU-Studie FAST20xx mit 17 Partnern, vor allem weil wir dabei als Projektleiter für eines der drei Arbeitspakete verantwortlich zeichnen Auch die gerade erwähnte Einladung von der französischen und deutschen Raumfahrtbehörde zum Programm Aldebaran wurde als großer Erfolg gewertet, weil Orbspace dabei neben EADS, Snecma und weiteren Großbetrieben das einzige KMU (Klein- und Mittelständisches Unternehmen) war und dazu noch aus Österreich.
(Int.): Arbeitet die Firma auch mit außereuropäischen Partnern zusammen?
(L.): Neben der Kooperation mit der TU Wien arbeiten wir nur mit europäischen Firmen zusammen, bisher aber nicht außereuropäisch
(Int.): Was ist Ihre Meinung zu der Entwicklung der Raumfahrt?
(L.): Wenn man an den Beginn der nun 50-jährigen Trägerraketenentwicklung zurückblickt und an die Visionen der 60er Jahre zu Zeiten der Mondflüge, dann sind die letzten 30/40 Jahre sehr enttäuschend Der Markt ist gesättigt, der Umsatz ist in manchen Jahren sogar gesunken. Stellen Sie sich vor: In den letzten 50 Jahren waren grob geschätzt nur etwa 500 Personen im. Das zweite große Problem der Raumfahrt ist das Fehlen eines freien Marktes. Es gibt zu jeder Komponente (Schubkammer, Treibstofftank, usw.) meist nur eine Zulieferfirma („Harmonisierung der Industrie“ nennt man das), also keine Konkurrenz. Jedoch gibt es einen neuen Markt, eine Hoffnung im Trägerraketenbereich und das wären Privatpersonen im All. Viele Menschen würden gerne in den Weltraum fliegen.
(Int.): Wie beurteilen Sie Österreichs Präsenz im Bereich Weltraumforschung im internationalen Vergleich?
(L.): Österreich’s Raumfahrt ist meiner Meinung nach international annähernd unbedeutend. Es trat als eines der letzten westlichen Länder der ESA teil und wenn es morgen wieder austreten würde, würde sich nach meiner Einschätzung praktisch nichts ändern. Hinzu kommt, dass der österreichische Beitrag an die ESA ebenso wie die nationalen Aktivitäten immer noch sehr gering sind. Als Start-up-Unternehmen hat man es gegenüber der angestammten Industrie besonders schwer, denn eine besondere Unterstützung von ESA existiert nicht oder ist nur symbolisch. Durch die Initiative www.spaceup.at versuchen einige Österreichische Weltraumgründer dem entgegenzuwirken.



